Im Südwesten von Munster wird eifrig entgiftet

Die im November/Dezember 2024 vor Ort fertiggestellt neue Sprengstelle an der Räumungshalle über dem Dethlinger Teich wird nur für konventionelle, nicht transportfähige Munition (keine Kampfstoffmunition) benötigt. Foto: Heidekreis

Seit Oktober 2023 laufen die sogenannten „gefährlichen Arbeiten“ zur Bergung der militärischen Altlasten aus dem Dethlinger Teich. In der ehemalige Kieselgurgrube wurden während und nach dem Zweiten Weltkrieg mehr als 100000 hochgefährliche Giftgas- und Sprenggranaten der Wehrmacht in bundesweit einmaligen Mengen, versenkt. Der Teich, der schon längst überwachsen ist, wurde zwischenzeitlich als das giftigste Loch der Welt tituliert. Doch nun ist an der circa drei Kilometer südöstlich von Munster gelegenen Räumstelle, die von einer 95 mal 105 Meter großen, freitragenden Arbeitshalle überdeckt ist, die Normalität eingezogen.

Inzwischen wurde auch eine Sprengstelle vor Ort fertiggestellt. Sie besteht aus einer Splitterschutzwand und einer Sprengbox. Diese Sprengstelle wird nur für konventionelle, nicht transportfähig Munition (keine Kampfstoffmunition) benötigt. Im Januar wurde sie bereits genutzt und Munition gesprengt.

Die Räumung schreitet planmäßig voran. Die Arbeiten sind im Schnitt zwischen zwei und zweieinhalb Meter Tiefe vorgedrungen, wenngleich einige Teilflächen aktuell tiefer und andere flacher sind, so Anke von Fintel, Pressesprecherin des Heidekreises auf Anfrage. Die exakte Tiefe des ehemaligen Kieselgur-Teiches sei nicht bekannt. Aufgrund der hydrogeologischen Aufschlüsse unmittelbar neben der früheren Teichkante sollte der Teich nicht tiefer als zehn bis elf Meter gewesen sein.

Bislang wurden mehr 46000 Kampfmittel geborgen. Das Gros waren aber die circa 40000 Zündladungen. Diese und die vielen verstreut liegenden Kampfmittel hätten die Kampfmittelspezialisten stark beansprucht. Es werde aber zurzeit davon ausgegangen, dass die besonderen Probleme in den obersten Metern bald der Vergangenheit angehören, so von Fintel. Die im Herbst 2024 eingerichtete Sprengstelle für nicht transportfähige, konventionelle Sprengmunition sei bereits mehrfach genutzt worden. Aufgrund der relativ geringen Sprengstoffmengen musste der ohnehin bestehende Sicherheitskorridor für die Sprengungen aber nicht erweitert werden.

Besondere Funde oder Fundsituationen führten zwar immer wieder zu kleineren Verzögerungen, trotzdem liegen die Räumarbeiten weiter im Zeit- und Finanzplan. So kam es im Sommer vergangenen Jahres zweimal zur Anzeige des Kampfstoffes Phosgen im unmittelbaren Nahbereich von Kampfstoffgranaten. Die gemessenen Gehalte lagen deutlich unterhalb relevanter Grenzwerte. Trotzdem wurde, auch als Übung für echte Zwischenfälle, das eingeübte Standardprogramm für solche Szenarien gefahren. Zum Schluss wurden die Granaten gasdicht verpackt, umgehend zur Geka nach Munster abgefahren und zwischenzeitlich dort auch vernichtet. Für die Verantwortlichen auf der Räumstelle haben die beiden Vorfälle gezeigt, dass die Räumstelle personell und technisch den Anforderungen gewachsen sei.

Trauens Ortsvorsteher Dr. Carsten H. Emmann rechnet noch mit einer Resträumungszeit von circa 3,5 Jahren, wie er jüngst bei der Hauptversammlung des Fördervereins Dorfgemeinschaft Alt-Trauen bekannt gab.

Andree Küsel