Bispingen macht Druck für einen Halt in Hützel

In der Gemeinde Bispingen war neben Hützel auch Steinbeck als möglicher Haltepunkt im Gespräch. Hier fährt der Heide-Express vorbei.

Jetzt macht auch Bispingen Druck: Bei der jüngsten Ratssitzung der Gemeinde zeigte sich Bürgermeister Dr. Jens Bülthuis äußerst verwundert über das Vorpreschen der Gemeinde Soderstorf bei der Frage, wo bei einer Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Soltau und Lüneburg ein möglicher weiterer Halt eingerichtet werden soll.

„Eigentlich sollte zunächst analysiert werden, welcher Halt für die gesamte Region vernünftig erscheint“, erklärte Bülthuis. So sei er aus der letzten Sitzung mit Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) im Januar herausgegangen. Nachdem sich die Gemeinde Soderstorf, die als weiterer Haltepunkt neben Hützel in Frage kommen könnte, keine 24 Stunden an die Absprachen gehalten habe, haben nun Bispingen beziehungsweise der Heidekreis ebenfalls eine Stellungnahme an das Ministerium verfasst.

Anfang Januar war bekannt geworden, dass der reguläre Personennahverkehr durch die Heide 2027 wieder aufgenommen werden könnte. Geplant ist, in gut 50 Minuten zwischen Soltau und Lüneburg zu verkehren mit den Haltepunkten Bispingen, Amelinghausen, Melbeck/Embsen sowie Lüneburg-Rettmer. Bei einer Überprüfung des vorläufigen Betriebskonzepts hatte sich ein Zeitpuffer ergeben, der einen sechsten Halt möglich macht, allerdings südwestlich von Amelinghausen: in Soderstorf oder in Hützel.

Die Gemeinde habe sich immer hinter die Reaktivierung der Strecke Soltau–Lüneburg gestellt, so Bülthuis gegenüber der BZ. Das zunächst auch um den Preis, dass es keinen weiteren Halt in Hützel oder in Steinbeck geben könnte. Dazu habe es sehr ernsthafte Diskussionen in den Orten gegeben. Man habe aber eigenen Interessen hinter das Erreichen eines höheren Ziels zurückgestellt.

Laut Bülthuis sei im Januar abgesprochen gewesen, den Haltepunkt zu wählen, der der Region den meisten Nutzen bringe. Zunächst sollten die Fachleute der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) und der Buslinienbetreiber einschätzen, wie ein Haltepunkt am besten in das Nahverkehrskonzept integriert beziehungsweise wie dieses angepasst werden kann.

Da die Absprache nicht gehalten habe, „setzt sich Bispingen nun seinerseits aktiv für einen Bahnhalt in Hützel ein“, so Bülthuis. Dabei verweist die Gemeinde nicht nur auf die Einwohner und geplante Baugebiete, sondern auch auf den Bedarf des europaweit führenden Forstgeräteunternehmens Grube oder des Seminarhauses „Waldhof“ des Unternehmens Rossman mit jährlich 5000 Übernachtungen sowie weitere Urlaubsangebote auf dem Campingplatz, in Pensionen und Hotels. Wenn sich die beiden Landkreise über den Halt nicht einigen, so erklärt Bülthuis, werde die Entscheidung im Ministerium getroffen. Und danach sieht es jetzt wohl aus.

Messfahrten mit Akkutriebwagen am Sonnabend

Von Bispingen aus braucht man bei der Reaktivierung der Bahnstrecke mit dem Zug 14 Minuten bis Soltau und 31 Minuten bis Lüneburg. Start soll bereits 2027 sein – zunächst mit Dieselfahrzeugen, später mit Akkutriebwaren. Ab 2035 soll zudem die Durchbildung bis Hannover gewährleistet sein. Am kommenden Sonnabend werden erste Messfahrten mit Akkutriebwagen auf der Strecke für ein Erschütterungsgutachten durchgeführt.

Anja Trappe