Birhat Kaçar steht für die Stichwahl fest
Birhat Kaçar (von links), Karsten Brockmann und Volker Wrigge bei der BZ-Podiumsdisskusion. Fotos: bk
Wie zu erwarten, wird es in Soltau eine Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters geben. Birhat Kaçar (SPD) setzt sich am gestrigen Sonntag gegen die große Konkurrenz durch. Wer es als weiterer Bewerber in die Stichwahl geschafft hat, stand um Mitternacht zum Redaktionsschluss noch nicht fest: Karsten Brockmann (Bürgerunion) liegt nach der Auszählung von 17 der 20 Wahlbezirke mit einem hauchdünnen Vorsprung vor dem als Favorit gehandelten Volker Wrigge (CDU) – dahinter die vier weiteren Mitbewerber Olaf Ahrens, Thomas Beckmann sowie Henrich Seißelberg und Michael Ziemann.
In knapp zwei Wochen, am Sonntag, 9. März, werden die Soltauerinnen und Soltauer nun erneut an die Wahlurne gerufen. Dann müssen sie sich nur noch zwischen zwei Kandidaten für das Bürgermeisteramt entscheiden: Birhat Kaçar (SPD) und Karsten Brockmann (Bürgerunion) oder aber Volker Wrigge (CDU). Ob dann erneut solch eine sensationelle Wahlbeteiligung wie am gestrigen Sonntag mit fast 84 Prozent (2021: 52 Prozent) erreicht wird, haben die Wählerinnen und Wähler selbst in der Hand.
„Ich bin sprachlos“, erklärte Kaçar am Ende eines langen Wahlabends mit für die Sozialdemokraten vielen Höhen und Tiefen. Während er in Soltau und sein Parteivorsitzender Lars Klingbeil im Wahlkreis punkten konnte, sei das Gesamtergebnis für die Sozialdemokraten bedrückend, wie Kaçar es beschreibt.
In Soltau wird am gestrigen Abend zunächst die Bundestagswahl ausgezählt, bevor die Stimmzettel für die Bürgermeisterwahl folgen. Nur die Auszählung der fünf Briefwahlbezirke startet Punkt 18 Uhr in der Freudenthalschule. Kurz vor 19 Uhr gibt es das erste Ergebnis des Briefwahlbezirks 5. Kaçar liegt vorn, dahinter Wrigge und dann Brockmann, gefolgt von Ahrens, Beckmann, Seißelberg und Ziemann. Schlag auf Schlag sind die weiteren Briefwahlbezirke ausgezählt. Es bleibt lange Zeit nahezu bei dieser Reihenfolge.
Kurz nach 20 Uhr allerdings wendet sich das Blatt bei Platz 2. Während Kaçar in fast allen Wahlbezirken die Nase vorn hat, hat Christdemokrat Wrigge zwar seine Hausmacht in den Dörfern, aber er kann sich in der Stadt nicht auf seine Bekanntheit und die Wähler der CDU verlassen, die parallel bei der Bundestagswahl der Partei zumindest bei den Zweitstimmen den Sieg im Stadtgebiet bescheren. Karsten Brockmann rückt ihm immer näher. Als 15 von 20 Wahllokalen ausgezählt sind, liegen Wrigge und Brockmann nahezu gleichauf. Um kurz vor halb zehn zieht Brockmann mit den Stimmen aus Harber an Wrigge vorbei. Die letzten drei Wahlbezirke lassen dann auf sich warten.
„Als ich es das erste Mal ausgesprochen habe, dass ich antrete, habe ich mit allem gerechnet, nur nicht damit“, freut sich Kaçar nach dem Wahlabend im Roten Bahnhof, den er gemeinsam mit Familie und Freunden begeht. Selbstbewusst stellt er fest: Er habe nahezu alles abgeräumt, weil ihm die Menschen das abgenommen haben, was er im Wahlkampf versprochen habe: einen echten Neustart für Soltau. Überrascht ist er, dass der zweite Bewerber zur Stichwahl nicht eindeutlich Volker Wrigge sei: Für alle sei er der Favorit gewesen. Überrascht hätten ihn zudem zwei weitere Kandidaten mit ihren guten Ergebnissen, das seien Olaf Ahrens und Thomas Beckmann gewesen. Insgesamt aber bleibt er zurückhaltend: „In zwei Wochen kann das Ergebnis komplett anders aussehen“, sagt Kaçar.
Volker Wrigge kommentierte das vorläufige Ergebnis für sich als enttäuschend, am Boden zerstört sei er nicht. „Es kann mich aber nicht zufriedenstellen.“ Allerdings hätten sich die Kandidaten in der bürgerlichen Mitte die Stimmen gegenseitig weggenommen. Zudem, so Wrigge, habe es gegen ihn eine Hetzkampagne von links und rechts gegeben. Und außerdem sei neben einem vollen Beruf der Wahlkampf nicht einfach gewesen. „Die Leute haben da sicher mehr erwartet, das muss ich selbstkritisch sagen.“ Er habe den Menschen ein Angebot gemacht, wie es jetzt ausgegangen sei, sei Demokratie.
Die Stimmung sei noch gut, betont Olaf Ahrens etwas eher am Abend. Da fehlen zwar noch sieben Wahlbezirke, dennoch sind die Chancen des parteilosen Kandidaten zu der Zeit aufzuholen, nur noch gering. „In die Stichwahl zu kommen, war ohnehin schwer“, so Ahrens. Zumal es schwierig sei, gegen drei etablierte Parteikandidaten anzutreten. Dennoch hatte er sich den Sprung auf den dritten Platz vorgenommen. Die Rückmeldungen seien dafür auch sehr positiv gewesen. Ahrens hatte auf Mund-zu-Mund-Propaganda und die sozialen Medien gesetzt. Mit Plakaten hatte er nicht für sich geworben. Letztlich aber ordnet er sein Ergebnis als respektabel ein. Er habe es sich allerdings anders gewünscht.
Äußerst enttäuscht ist am Ende des Wahlabends Henrich Seißelberg. Für ihn sei es ein niederschmetterndes Ergebnis. Er hatte sich deutlich mehr erhofft, sogar die Stichwahl, wie er sagt. Für ihn ist es eine mittelschwere Tragödie, aber auch für Soltau, wie er insbesondere im Hinblick auf den gestrigen Sieger Kaçar meint.
„Nein, ich bin nicht enttäuscht“, erklärt Michael Ziemann. Dafür sei er Realist genug. Dennoch wolle er das politische Geschehen weiter verfolgen. Insbesondere, ob ein neuer Bürgermeister, der voraussichtlich aus den Reihen der im Rat bereits tätigen Kommunalpolitiker komme, wirklich das umsetze, was er versprochen habe. „Das wird die Zeit zeigen“, so Ziemann. Karsten Brockmann und Thomas Beckmann waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.