Angst vor dem „Totengräber der Innenstadt“
8,5 Hektar ist die Ackerfläche zwischen Celler Straße und der Ortschaft Tetendorf groß. Dort plant die Stadt Soltau ein neues Wohnquartier für Menschen mit und ohne Behinderung sowie die Ansiedlung von Kleingewerbe und einem Famila-Supermarkt. Foto: at
Mehr strategische Planung oder zumindest eine bessere Kommunikation hätten sich Hans-Jürgen Lange und Otto Elbers in Bezug auf die Pläne für das Großprojekt Soltau-Süd samt Famila-Markt (BZ vom 28. März) gewünscht.
Lange, der in Soltau in der IHG die Interessen von Handel und Gewerbe vertritt, und Elbers, Sprecher der Interessengemeinschaft Almhöhe, sind von dem Vorhaben am südöstlichen Stadteingang an der Celler Straße auf 85.000 Quadratmetern nicht überzeugt. Sie befürchten sowohl für die Innenstadt als auch für die Almhöhe wirtschaftliche Auswirkungen mit negativem Ausgang.
Diese Sorge äußerten sie bereits 2021, als erstmals Ansiedlungspläne für Famila bekannt wurden. Fünf Jahre später ist sie nicht geringer geworden: „Das Famila-Projekt wurde schön verpackt in die Schaffung von Wohnraum und Inklusion“, so Lange. Zugleich wirft er der Stadt vor, „das große Ganze nicht zu sehen“ – dass Famila mit seinem Angebot tatsächlich zum Totengräber der Innenstadt mit ihrem noch florierenden Wochenmarkt werden könnte. „Dann können wir wirklich einen Zaun drumherum ziehen und ein Museumsdorf daraus machen“, sagt er mit Blick auf die Angebote der Felto-Filzwelt und des Spielmuseums.
Für den IHG-Sprecher ist die Fläche an der Celler Straße der völlig falsche Standort. Bedarf für Nahversorgung gebe es eher am nördlichen Stadtausgang an der Winsener Straße. Insgesamt sei Soltau mit seinen Einkaufsmöglichkeiten gut aufgestellt.
Langes Kritik richtet sich auch darauf, dass an einer „resilienten Innenstadt“ schon seit langer Zeit gearbeitet werde, viele Millionen in die Planung geflossen seien, sich davon jedoch bislang kaum etwas in der Marktstraße widerspiegele. „Wir können nicht nur eine Innenstadt mit Wohnen und Gastronomie sein“, blickt er in die Zukunft. Vor allem im Winter fehlten die Gäste, um Cafés wirtschaftlich bis in die nächste Saison zu tragen.
Bislang hat die Stadt Soltau drei Einzelhandelsschwerpunkte, die gutachterlich als ausreichend bewertet werden und sich nicht gegenseitig Kunden abziehen: die Innenstadt, das Fachmarktzentrum Almhöhe sowie das Designer-Outlet in Soltau. Einen vier ten Standort werde es auch künftig nicht geben, betonte Bürgermeister Karsten Brockmann Ende vergangener Woche bei der Vorstellung der Pläne rund um das neue Wohngebiet Soltau-Süd mit Famila. Er verweist darauf, dass weder der Famila noch der Edeka-Markt an der Lüneburger Straße als Einzelhandelsschwerpunkte einzustufen seien. Für IHG und IG Almhöhe jedoch spielt Famila mit seinem Angebot und den meist begleitenden Ansiedlungen in einer anderen Liga, wie man es auch von ande ren Standorten kenne, so Lange und Elbers.